Warum wir TradingView rausgeworfen und die All Time High Trading Platform gebaut haben
Eine Aktie war längst verkauft. Trotzdem schickte die Strategie später eine Verkaufsorder los, und plötzlich stand da eine Short-Position, die niemand jemals eröffnen wollte. Gemerkt hat das erst mal keiner. Dieser Artikel erklärt, warum so etwas passieren konnte und was wir daraufhin gebaut haben.
Trading Platform statt Bridge: Der Trade, der schon geschlossen war
Fangen wir mit dem Vorfall an, weil er alles erklärt, was danach kommt.
Die Position war von Hand geschlossen worden. Ganz normaler Vorgang, passiert im Alltag ständig. Nur wusste die Strategie auf TradingView davon nichts. Sie lief weiter, als läge die Aktie noch im Depot. Irgendwann wurde ihr Stop-Loss ausgelöst, sie schickte pflichtbewusst eine Verkaufsorder raus, und weil da nichts mehr zu verkaufen war, machte der Broker daraus eine Short-Position.
Aus einem längst beendeten Trade wurde also eine völlig neue Position. In die falsche Richtung. Ohne dass ein Mensch das entschieden hätte.
Das Ärgerliche daran ist nicht der eine Fehler. Das Ärgerliche ist, dass es keine Stelle gab, die so etwas hätte auffangen können.
Das Problem war nicht TradingView, sondern die Kette
Unsere Strategien liefen jahrelang auf TradingView. Ein Signal ging per Webhook raus an eine Bridge, und diese Bridge reichte die Order an den Broker weiter. Drei Stationen, zwei Übergaben. Das funktionierte, solange alles funktionierte.
Aber in dieser ganzen Kette gab es keinen Bestandsabgleich. Also niemanden, der vor einer Order kurz nachsieht, was tatsächlich im Depot liegt. Die Strategie glaubte etwas, und der Rest der Kette hat es einfach ausgeführt.
Ging ein Signal verloren, wurde eine Order doppelt ausgelöst oder brach die Verbindung ab, dann hat es schlicht niemand gemerkt. Kein Alarm, keine Warnung, nichts. Du siehst es erst, wenn du selbst ins Depot schaust.
Dazu kam eine zweite Sache, die uns über die Jahre zunehmend gestört hat. Unsere Strategien waren für TradingView geschrieben. Fiel dort etwas aus oder änderte sich etwas an der Plattform, hing unser kompletter Handel daran. Wir haben unser Geschäft auf einem Fundament gebaut, das uns nicht gehört.
Irgendwann war klar: Wir flicken das nicht weiter, wir bauen es neu.
Was wir stattdessen gebaut haben
Die All Time High Trading Platform ist ein eigenständiges Programm für Windows. Eine einzige Installationsdatei, kein Python, keine Bibliotheken, keine Kommandozeile. Du startest sie, meldest dich mit deinem Kaspareit-Zugang an, und sie verbindet sich über das IB Gateway direkt mit deinem Konto.
Die Kette von vorhin ist damit weg. Kein TradingView, kein Webhook, keine Bridge. Die Strategie läuft in der Software, die Software spricht mit dem Broker, fertig. Und jede einzelne Order geht vorher durch eine Bestandsprüfung.
Dein Broker muss dabei nicht Interactive Brokers selbst sein. Alles, was auf deren Infrastruktur läuft und ein Gateway bereitstellt, funktioniert genauso. CapTrader zum Beispiel, oder Lynx. Weitere Broker sind in Planung. Bei den Märkten bist du nicht eingeschränkt, du handelst alles, was dein Broker anbietet, beziehungsweise wofür du die Handelsberechtigung hast.
Eine Sache noch, damit keine falschen Erwartungen entstehen: Diese Plattform ist zum automatisierten Handeln gebaut. Du wählst pro Handelsplan eine Strategie aus, und ab da läuft das ohne dich. Der Sinn ist, dass die Strategien deine Positionen führen, nicht dass du selbst klickst.
Dein Konto, aufgeteilt in mehrere Depots
An diesem Teil haben wir in den letzten Wochen mit Abstand am meisten gearbeitet, und er ist auch der, über den wir uns am meisten freuen.
Wer unser Video zur Schachbrettmethode kennt, kennt den Gedanken: Du willst nicht dein ganzes Geld in einem Topf haben, sondern in mehreren, mit unterschiedlichen Aufgaben. Bisher brauchtest du dafür mehrere Konten. Jetzt nicht mehr.
Ein Handelsplan besteht aus einer Liste von Symbolen, einer Strategie und einem festen Kapitalanteil. Faktisch ein eigenes kleines Depot innerhalb deines Kontos, mit eigener Statistik, eigener Equity-Kurve und eigenem Drawdown. Du siehst also für jede deiner Strategien getrennt, wie weit sie gerade unter ihrem eigenen Hoch steht, statt nur eine Zahl fürs Gesamtkonto.
Zwei Regler, die ständig verwechselt werden
Bei der Aufteilung trennen wir bewusst zwei Dinge, die in vielen Tools in einen Topf geworfen werden. Das ist der Punkt, an dem Leute sich sonst versehentlich hebeln.
Die Zuteilung beantwortet: Wie viel Prozent deines Kontos gehören diesem Plan? Hier gibt es eine harte Wand bei 100 %, da geht nichts drüber. Drei Pläne mit je 33,33 % ergeben zusammen genau 100 %, dein Konto ist damit komplett verteilt und es bleibt nichts übrig.
Du musst es aber nicht so machen. Willst du dir etwas in der Rückhand halten, etwa für Positionen, bei denen du noch gar nicht weißt, ob du sie überhaupt kaufen willst, oder einfach als Notfallreserve, dann nimmst du drei Pläne mit je 20 %. Dann arbeiten 60 % für dich und 40 % liegen frei. Für diese 40 % kannst du später einen neuen Plan aufmachen, oder du gibst die Reserve für deine bestehenden Töpfe mit frei und erweiterst dort die Auslastung.
Der Investitionsgrad beantwortet etwas völlig anderes: Wie viel von dem zugeteilten Geld geht tatsächlich in den Markt? Diese Achse darf über 100 % gehen. Das ist der Hebel, und der ist hier bewusst erlaubt, aber eben getrennt und sichtbar.
Überbuchst du dich, bekommst du kein stumpfes "geht nicht". Es öffnet sich ein Fenster, in dem du andere Pläne herunterregeln kannst, und daneben rechnet dir die Software live aus, wie viel dabei frei wird. Umverteilt wird nie automatisch. Du entscheidest, woher das Kapital kommt.
Was da eigentlich handelt
Aktuell sind 2 Strategien fest eingebaut, beide ausschließlich auf der Long-Seite.
Der Aktienbot steigt über einen Donchian-Ausbruch ein, gefiltert über Williams Percent R und zwei gleitende Durchschnitte. Beim Einstieg wird sofort ein Stop fixiert, und zwar der engste aus drei Kandidaten. Danach zieht dieser Stop nur noch nach oben nach, nie zurück. Zusätzlich zum langsamen Haupttakt läuft eine schnelle Schleife im 5-Sekunden-Rhythmus, damit ein frischer Ausbruch nicht erst Minuten später auffällt.
Der GridBot arbeitet mit Pyramiding. Er kauft in mehreren Stufen nach, gefiltert über drei gleitende Durchschnitte auf verschiedenen Zeitebenen, sichert über Break-Even ab und trailt über die EMA. Auf Wunsch läuft er als reiner Tagesmodus mit einem Signal pro Tag.
Kleinigkeit aus dem echten Betrieb, die aber ständig gefragt wurde: Zu jeder laufenden Position gibt es ein Menü mit drei Stufen. Nur das Nachkaufen anhalten, die Position schließen, oder schließen und den Bot gleich mit stoppen. Die erste Stufe ist die interessanteste. Die Position läuft dann in Ruhe zu Ende, Ausstiege, Trailing und dein Stop beim Broker arbeiten normal weiter, es kommt nur nichts Neues dazu.
Wie viel Geld in eine einzelne Aktie fließt
Es gibt keine feste Stückzahl. Die Größe wird bei jedem Einstieg neu berechnet, innerhalb des Topfs, der zu diesem Handelsplan gehört. Darauf wirken drei Grenzen.
Ein Mindesteinsatz, damit bei vielen Titeln überhaupt noch eine ganze Aktie kaufbar ist.
Eine harte Obergrenze pro Einzelposition. Sie sorgt dafür, dass nie mehr als ein von dir festgelegter Anteil in einen einzigen Wert wandert, egal was du sonst eingestellt hast. Wenn du dich irgendwo verklickst, fängt dich diese Grenze auf.
Ein globaler Deckel, der jeden Einstieg blockiert, der darüber hinausgehen würde.
Drehst du einen Regler herunter, wirkt das sofort auf neue Einstiege. Bestehende Positionen werden dabei nie zwangsverkauft.
Die drei Regeln, an denen alles hängt
Und jetzt der Teil, an dem bei uns das meiste Herzblut hängt, weil er genau das löst, woran die alte Kette gescheitert ist.
Erstens: Der Bestand beim Broker ist die Wahrheit, nicht das, was die Software glaubt. Zweitens: Keine automatische Order ohne vorherige Bestandsprüfung.
Drittens: Keine Position bleibt jemals ohne Stop.
Praktisch heißt das, dass jeder Stop als echte Order beim Broker liegt und nicht als Notiz in unserem Programm. Stürzt dein Rechner ab, fällt dein Internet aus oder schließt du die Software, überwacht der Broker deinen Stop trotzdem weiter. Das ist der entscheidende Unterschied zu einer Bridge-Lösung, bei der mit dem Programm auch die Absicherung verschwindet.
Dazu prüft ein Wächter bei jedem Takt, ob der Stop noch aktiv beim Broker liegt. Fehlt er, wird er sofort neu gesetzt. Alle 90 Sekunden läuft außerdem ein kompletter Abgleich: Für jede Position muss die Summe der aktiven Stops exakt dem Bestand entsprechen. Ist ein Stück ungeschützt, gibt es Alarm und eine automatische Reparatur. Liegt ein Stop ohne zugehörige Position herum, wird er storniert.
Genau diese Routine hätte den Vorfall von ganz oben verhindert.
Ziehst du deinen Stop selbst enger, respektiert die Plattform das übrigens und zieht ihn danach nur noch enger, nie wieder weiter weg. Über allem liegt zusätzlich der Equity-Schutz auf Kontoebene. Fällt der Kontowert unter eine von dir gewählte Schwelle, werden erst alle offenen Orders storniert, dann alle Positionen geschlossen, und danach kontrolliert die Software nach, ob wirklich alles glatt ist. Gewarnt wirst du dreifach: Vollbild-Alarm mit Ton, Hinweis in der Oberfläche und E-Mail.

Damit wir uns richtig verstehen
Diese Sicherheitsschicht nimmt dir die Ausführung ab, nicht das Risiko. Sie sorgt dafür, dass keine Position ungeschützt bleibt und dass die Software nie gegen den echten Depotbestand handelt. Ob eine Strategie Geld verdient, entscheidet sie nicht. Auch ein sauber abgesicherter Trade kann im Verlust enden, und vergangene Ergebnisse sagen nichts über die Zukunft.
Deshalb der ehrliche Rat: Fang auf einem Demokonto an. Du kannst in der Plattform zwischen Paper und Live umschalten, und wir selbst fahren gerade ebenfalls auf Paper. Geh erst live, wenn du dich damit wohlfühlst.
Seit dem 29. August verfügbar
Die Plattform ist seit dem 29. August für alle Premium-Mitglieder verfügbar und ohne Aufpreis in der Mitgliedschaft enthalten. Wir fahren aktuell die Alpha, also die erste Runde im echten Live-Betrieb. Bis Mitte September schließen wir die Beta ab. In dieser Zeit sammeln wir Mitgliederwünsche ein und bauen alles ein, was wir für sinnvoll halten.
Was du brauchst
Ein Konto bei Interactive Brokers, CapTrader oder Lynx. Die Plattform handelt nicht auf einem eigenen Konto, sondern auf deinem.
Einen Windows-Rechner. Und dazu eine klare Ansage: Ein Bot, der nur läuft, wenn dein Laptop offen ist, ist kein Bot. Wir empfehlen einen kleinen Server, der durchgehend läuft. Den Umzug vom PC auf einen Server haben wir bewusst mitgebaut, samt Skript, das deinen kompletten Zustand mitnimmt. Deine offenen Positionen und Stops liegen ohnehin beim Broker, da entsteht keine Lücke.
Und eine Premium-Mitgliedschaft.
Was als Nächstes kommt
Die Plattform ist nicht fertig, und das ist so gewollt. Drei Dinge stehen noch für dieses Jahr an.
Backtests direkt im Programm. Du wählst eine Aktie und eine Strategie und siehst sofort, wie diese Strategie auf genau diesem Wert in der Vergangenheit gelaufen wäre.
Aktienportfolios, also mehrere Strategien auf verschiedenen Aktienuniversen, bewusst gering korreliert und mit Short-Strategien darunter. Damit läuft das Portfolio nicht nur in steigenden Märkten.
Ein umfangreicher Screener, damit du nicht raten musst, welche Aktien zu einer Strategie passen.
Live-Webinar Ende September
Ende September zeigen wir die Plattform in einem Live-Webinar von vorne bis hinten und beantworten alle Fragen. Offen für alle Interessierten. Den Termin findest du im Kalender direkt in der Software und in deinem Mitgliederbereich.
Die Plattform steckt in der Premium-Mitgliedschaft
Die All Time High Trading Platform ist Teil der Premium-Mitgliedschaft und dort ohne Aufpreis enthalten. Bist du schon Premium-Mitglied, findest du sie in deinem Mitgliederbereich und musst nichts weiter tun. Bist du noch nicht dabei, führt der Weg über Premium.
Bis dann!
Alex & das Kaspareit-Trading-Team
Datengrundlage: Produktdokumentation der All Time High Trading Platform, Version 0.1.12, Stand 22. August 2026. Alle technischen Angaben in diesem Artikel beziehen sich auf diesen Versionsstand. Der Funktionsumfang wird während der laufenden Beta erweitert.
Hypothetische Backtestergebnisse. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Dies ist keine Anlageberatung. CFDs sind komplexe Instrumente und bergen ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren. 75 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel. Überlege sorgfältig, ob du die Funktionsweise von CFDs verstehst und ob du es dir leisten kannst, das hohe Risiko einzugehen.



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